Was sind Allergene - Eine verständliche Definition

Autor

Dr. Rüdiger Wahl

Allergie Experte, Forscher und ehem. Mitglied des CIA (Cillegium internationale Allergologicum)

Mit über 40 Jahren Erfahrung auf dem Gebiet der Allergie Forschung

    Co-Autor

    C. Ellmers B.A. Pol

    Founder Ellmers & Partner GmbH

    letztes Artikel-Update vom: 07.01.2021

    Allergene sind überwiegend Proteine, also Eiweißstoffe, die sich wiederum aus einzelnen Allergenen zusammensetzen. Unterscheidbar macht sie dann z.B. ihr individuelles Molekulargewicht. 

    • Mindestens 95% aller bekannten Allergene sind Proteine, also Eiweißstoffe.

    • Nahezu alle Proteine können auch als Allergene auftreten.

    Was tun Allergene?

    • Allergene lösen durch die Vermittlung des körpereigenen Immunsystems eine überempfindliche Reaktion des Körpers aus. Diese Überreaktion des Körpers auf das Allergen, mit seinen begleitenden Symptomen nennen wir Allergie

    • Allerdings gibt es auch einige Medikamente, wie z.B. Penicillin, die als Allergen fungieren, aber keine Proteine sind.

    Diese Allergene können bei einer Typ 1 Allergie, das ist eine Allergie, die über das IgE (Immunglobulin E) ausgelöst wird, die entsprechenden Symptome einer allergischen Erkrankung beim Menschen auslösen.

    Die Einzelallergene werden in Haupt-, Intermediär und Minorallergene eingeteilt.

     

    Die wichtigsten Allergene sind:

     

    • Pollen wie von den Gräsern, z.B. Wiesenlieschgras, Bäumen wie z.B. der Birke und Kräutern wie z.B. Beifuss

     

    • Milben wie den Hausstaubmilben, z.B. Dermatophagoides pteronyssinus, Dermatophagoides farinae etc.

     

    • Vorratsmilben wie z.B. Acarus siro, Tierepithelien, wie z.B.

     

    • Haus- und Nutztiere z.B. Katze, Hund, Pferd

     

    • Schimmelpilze wie Alternaria tenuis und Cladosporium herbarum,

     

    • Insektengifte wie von der Biene und Wespe

     

    • Nahrungsmittel wie z.B. vom Hühnerei und der Kuhmilch.

     

    Das ist die größte Gruppe von Substanzen die Allergien auslösen können, wobei sich die Allergie mit unterschiedlichen Symptomen bemerkbar machen kann.

     

    Wie kann getestet werden, welches Allergen vorliegt?

     

    Das Molekulargewicht der Proteine wird über die SDS-PAGE und die Allergene über den Westernblott bestimmt.

    Um festzulegen ob es sich in dem Gesamtallergenextrakt um ein Haupt-, Intermediär- oder Minorallergen handelt, muss ein Westernblot mit wenigstens 10 Seren entsprechender Allergiker durchgeführt werden, so z.B. Gräser-, Birkenpollen-, Alternaria alternata-, Katze, Hausstaubmilbe Dermatophagoides pteronyssinus Allergikern etc.

    Wenn größer/gleich 50% der Patienten auf ein Allergen mit einem bestimmten Molekulargewicht sensibilisiert sind, spricht man vom Hauptallergen, bei 25-50% von Intermediär- und bei kleiner/gleich 25% vom Minorallergen.

     

    Welche Allergene sind häufig verbreitet und bekannt?

    Von vielen Allergenextrakten sind die Einzelallergene bekannt.

     

    • Ein Hauptallergen bei der Birke Bet v1, bei den Gräser Phl p 1und Phl p 5,

    • Bei der Hausstaubmilbe Dermatophagoides pteronyssinus Der p 1und Der 2

    • Bei der Katze Fel d1.

     

    Das stellt aber nur einen sehr kleinen Ausschnitt dar.

    Ein wichtiges Minorallergen ist bei der Birke das Bet v 2, Profilin, das im Rahmen der pollenassoziierten kreuzreaktiven Nahrungsmittelallergie eine wichtige Rolle spielt. Es ist ein gemeinsames Allergen.

    Tropomyosin, Der p 10, ist ebenfalls ein wichtiges Minorallergen, Es ist ein Muskelprotein und spielt bei der Kreuzreaktion zwischen der Hausstaubmilbe Dermatophagoides pteronyssinus und der Garnele eine wichtige Rolle.

    Es ist ebenfalls ein gemeinsames Allergen.

    Auf alle bisher charakterisierten Einzelallergene, die oft rekombinant, d.h. gentechnologisch hergestellt wurden, soll hier nicht eingegangen werden.

    Die meisten Einzelallergene spielen eine Rolle bei der Betrachtung der Kreuzreaktion.

    Damit ein Allergenextrakt wirksam ist, muss er wenigstens das/die Hauptallergene enthalten.

    Da z.B. 95-99% der Birkenpollenallergiker auf das Hauptallergen Bet v1 sensibilisiert sind, würde ein Präparat, das zur spezifischem Immuntherapie eingesetzt wird, und kein Bet v1 enthalten würde, wirkungslos sein.

    So werden auch zur spezifischen IgE Messungen Systeme angeboten, mit dem man in dem Serum des Patienten auf das entsprechende spezifische IgE des/der entsprechenden Einzelallergene messen kann.

    Es sind die sogenannten Microarraysysteme, die von verschiedenen Firmen kommerziell angeboten werden.

    Abgesehen von der Betrachtung der Kreuzreaktion hat eine solche Messung eher eine wissenschaftliche Bedeutung. Eine Umsetzung in die spezifischen Immuntherapie, wie noch vor einigen Jahren erhofft als patient tailored extract wird es schon aus Zulassungsgründen wohl kaum geben.

    Spezifische IgE-Messungen zeigten auch, dass die Messung mit den Einzelallergenen Der p1, Der p 2 (Dermatophagoides püteronyssinsus), Bet v1 (Birke), Phl p 1 und 5 (Gräser) Alt a 1 Alternaria alternata) was die Allergenklassen betraf, keine höhere Klasse aufzeigte, als wenn die Messung mit dem Gesamtallergenextrakt-Allergenträger durchgeführt wurde.

    Die molekulare Allergologie, so wird diese Richtung genannt, hat zwar hohes wissenschaftliches Potential, aber die Umsetzung in die Praxis, Therapie, wird wohl noch etwas dauern.

    Welche Allergien/Allergene sind (neben den o.g. häufig verbreiteten Allergenen) noch bekannt, bzw. kategorisiert?

    Berufsallergene

     

    Zu erwähnen sind auch die Berufsallergene, wie z.B. das Mehl beim Bäckerasthma, allergische Reaktionen auf Labortiere, wie z.B. Ratte oder auf Latex, wie z.B. in Gesundheitsberufen.

    Friseure können auf Haarfärbemittel allergisch reagieren wie z.B. Henna. Untersuchungen von mir ergaben, dass Henna farblos eine geringere allergene Potenz aufwies als Henna rot.

     

    Bei Tischlern können Holzstäube (sägen) allergische Reaktionen bei den Tischlern durch das Einatmen hervorrufen. Untersuchungen zeigten, dass die exotischen Hölzer wie z.B. Mahagoni eine höhere allergene Aktivität aufwiesen als die einheimischen Hölzer wie z.B. der Fichte.

     

     

    Hobbyallergene

     

    Auch so genannte Hobbyallergene gibt es wie bei Aquarianern auf Fischfutter.

    Die Quelle dafür sind die Chironomiden, die als Fischfutter verfüttert werden, und allergene Potenz aufweisen.

     

    Angler können allergische Reaktionen auf den Köder, wie die Larven der blauschimmernden Schmeissfliege entwickeln, was ich selber mittels unterschiedlicher biochemischer Techniken nachweisen konnte.

     

    Die Psyodoallergien

     

    Wie gesagt können auch einige Medikamente Allergien auslösen. Dabei handelt es sich überwiegend um eine Pseudoallergie. Unter Pseudoallergie versteht man, dass die Reaktionen beim Menschen wie bei einer Typ I Allergie sind, aber das nicht über die IgE Typ I Allergie läuft.

     

    Mit all diesen Allergenen kommen die Menschen durch das Einatmen, Hautkontakt, orale Einnahme oder Injektion, beim Insektenstich, in Kontakt.

    Am stärksten von den Allergien betroffen sind die Atopiker.

     

     

    Die seltenen Allergene

     

    Es gibt auch seltene Allergene, die bei entsprechend disponierten Personen einen großen Leidensdruck auslösen können. Darauf soll hier kurz eingegangen werden.

     

    Vor ca. 10 Jahren zählte Latex zu den seltenen Allergenen, was es jetzt nicht mehr ist. Aber der latexartige Saft spielt bei der seltenen Allergie auf Ficus benjamina (Birkenfeige) eine wichtige Rolle. Die Blätter des Ficus geben einen latexartigen Saft ab, der vom Hausstaub gebunden wird, der sich auf die Blätter legt und durch Windbewegungen im Wohnbereich verteilt wird. So wird dieser kontaminierte Hausstaub von dem Bewohner/in eingeatmet und kann allergische Reaktionen hervorrufen.

    Also denken sie auch bei allergischen Reaktionen im Wohnbereich an die Zimmerpflanzen.

    Aber das größte Allergen im Wohnbereich stellt mit Abstand die Haustaubmilbe dar, wie Dermatophagoides pteronyssinus.

    Blumenerde als Allergen

     

    Blumenerde kann allergische Reaktionen hervorrufen, z.B. beim Umtopfen.

    Nur ist es nicht die Erde, sondern wie ich zeigen konnte der Schimmelpilz Cladosporium herbarum, der in der Blumenerde vorkommen kann.

    Gelatine als Allergen

     

    Auch bei den Nahrungsmitteln gibt es seltene Allergene.

    Dazu zählt Gelatine, die in einer Vielzahl von Produkten tonnenweise, wie z.B. in Gummibärchen verarbeitet wird.

    Dr. Wahl verfasste die bis dato weltweit erste Arbeit dazu, gemeinsam mit Herrn Professor Kleinhans. 

    Allerdings löst Gelatine löst nur sehr selten entsprechende Allergien aus.

    Auch muss man hier zwischen der Rinder-, Schweine- und Fischgelatine als Allergen unterscheiden.

    Dr. Wahl vermutet, dass bei den allergischen Reaktionen nach dem Genuss von Gummibärchen nicht so sehr der Farbstoff Tartrazin die Allergenquelle war, sondern die Gelatine, nur das wusste man damals noch nicht, als man den Einsatz von Tartrazin als Farbstoff bei der Gummibärchenherstellung verbot.

     

    Pizza als Allergen

     

    Bei der Pizza kann es das Lupinenmehl sein, dass immer häufiger zur

    Pizzaherstellung eingesetzt wird, da es sehr preiswert ist, aber auch ein Allergen ist.

    Beim Mehl spielt auch der Reismehlkäfer Tribolium confusum als Allergen eine Rolle, der im Mehl mit vorkommen kann und durch das Einatmen des Mehlstaubs zu allergischen Reaktionen führen kann.

     

    Carmin als Allergen

     

    Das Carmin, das z.B. beim einem bekannten namensähnlichen Getränk mit verarbeitet wird, kann allergische Reaktionen auslösen.

    Das Carmin wird aus Kakteen gewonnen, die auf Fuerteventura wachsen.

     

    Urin als Allergen

     

    Beim Leguan konnte Dr. Wahl mit dem Magic Stick (INA) den Urin als Allergenquelle identifizieren. Eine Frau bekam schwere asthmatische Beschwerden wenn sie den Käfig ihres Leguans reinigte. Der Grund war dafür das Spreu, das mit dem Urin verunreinigt war und sie den mit Urin kontaminierten Staub beim Reinigen des Käfigs einatmete.

     

     

    Sperma als Allergen

     

    Seminalplasma (Sperma) kann auch zu allergischen Reaktionen führen, wie Dr. Wahl mit Mitarbeitern zeigen konnte. Auch konnten das Forscherteam um Dr. Wahl über verschiedene biochemische Methoden das verantwortliche Allergen aus dem Seminalplasma isolieren und charakterisieren.

    Über spezifische IgE Messungen konnten in dem Serum einer entsprechenden Seminalplasmaallergikerin das spezifische IgE mit Klasse 3, d.h. klinisch sehr auffällig nachgewiesen werden.

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